Verfasst von: adrian4xp | Mai 25, 2010

Die Erneuerung aus dem Urprinzip

eine theologische Grundlegung

Die Prinzipien der katholischen Soziallehre sind für die Wirtschaft zuerst entwickelt worden, aber natürlich können sie, wenn sie universelle Geltung beanspruchen, nicht nur in der Wirtschaft richtig sein. Das liegt an etwas ganz tief zugrunde Liegendem. Die Prinzipien haben nämlich einen Teil der Schöpfung reflektiert, die ihrerseits Gottes Sein spiegelt, die trinitarische Kommunikation.

Ich vertraue Dir – sagt Gott uns

a) Theologisch gesehen bedeutet Subsidiarität “Glaube”, “Vertrauen” und zwar nicht zuerst von unserer Seite her, sondern von Gott her. Gott vertraut uns, gibt sich in unsere Hand. Daher abgeleitet auch von der Seite her, die die Vollmacht Gottes hat und vergibt (das Amt). Gott hat sich in Seinem Sohn in unsere Hand gegeben, Sein Herz uns angeboten. Es ist auch das, was das große Wagnis Gottes, ja des Christentums ausmacht: Gott traut uns die Freiheit zu, weil nur so Liebe entstehen kann. Kirchliche Autorität muss auch hier dem Beispiel Gottes folgen und sich so dem Volk anvertrauen, damit dieses vom Ganzen her mitdenken kann.

Historisch ist Jesus am Karfreitag mit diesem Vorgehen gescheitert, und der Triumph der Finsternis (Lk 22,53; Joh 13,30) ist am Karsamstag anscheinend offenbar. Doch der Allmacht Gottes entgleitet nichts. Er kann immer einen Weg aus dem Nichts schaffen, wo vorher nur ewiger Tod war.

Wo also kirchliche Autorität im Regelfall das, was subsidiär möglich ist, nicht da belässt, wo es getan werden kann, lässt sie sich nicht vom Geist Christi leiten, sondern von der Angst. Die Angst aber die schärfste Waffe Satans, um uns in der Knechtschaft zu behalten.

Von Seiten der Leitung her entspricht dies der Haltung Jesus bei der Fußwaschung (Joh 13,1-30). Obwohl Jesus wusste, dass Judas dabei saß, der Ihn verraten würde, obwohl Petrus dabei saß, der Ihn verleugnen würde, wusch er allen Zwölfen die Füße.

Wenn Du uns vertraust, wollen auch wir uns trauen – sagen wir

b) Theologisch gesehen, bedeutet Subsidiarität aber auch “Glaube” von unserer Seite her, aber einen demütigen Glauben. Er bedeutet zu erkennen, dass diese Aufgabe von mir wahrzunehmen ist. Demütig aber auch, zu erkennen, wo meine Grenze ist, wo ich nicht mehr in der Lage bin, eine Entscheidung zu treffen, eine Aufgabe zu übernehmen. Diese Aufgabe beinhaltet zum Beispiel auch das Mitdenken für das Gemeinwohl. Wo ich so eingedeckt bin mit Arbeit, dass dies aus dem Blick gerät, bin ich schon nicht mehr demütig im vollen Sinn des Wortes; Demut bedeutet prioritär, zu erkennen, was ich und unsere Gemeinschaft wahrhaftig vor Gott sind, was wir daraus folgend leisten und was wir an Kraft, Überlegung und Mittel einbringen können für das Gemeinwohl und was eben auch nicht mehr – und das schwankt auch mit der Zeit. Wenn ich dann erkenne, dies und das geht nicht mehr, muss ich, muss die Gemeinschaft um Unterstützung fragen.
Dies entspricht den Menschen, denen Gott die Talente anvertraut hat. Die einzige Art sie zu vergeuden, ist sie zu vergraben (Mt 25, 14-30), bzw sie individualistisch zu missbrauchen.

Hirten- und herdenspezifische Versuchungen

Historisch gesehen besteht hier die Versuchung einerseits, Verantwortlichkeit nach oben zu delegieren, theologisch ausgedrückt: zurück zu wollen an die Fleischtöpfe Ägyptens (Ex 16,3; 1-20), aber auch der Hochmut, wo sich alle nach meiner “Einsicht” richten müssen und wenn nicht, dann gehe ich halt, theologisch ist das letztlich die Versuchung, Gott vorzuschreiben, wie Er Gott sein soll (Job 38; Jes 58). Das fällt vor allem dann immer schwer, wenn man meint, etwas liefe total aus dem Ruder vor allem in Bezug auf mein Lebensumfeld.

Aber Subsidiarität ist der beste Weg. Die Basis sieht zuerst, was gebraucht wird und erkennt auch zuerst, wie Abhilfe möglich wäre, ohne mit Kanonen auf Mücken zu schießen. Aber auch die Basis darf nicht die lokale Entscheidungskompetenz durch ständiges Nachfragen nach oben abgeben; denn das akzeptieren Zentralen nur all zu gern. Es ist wie bei Eltern, die manchmal den unbeholfenen Kindern nicht zusehen können, weil sie “nicht die Zeit” haben; denn allein geht es doch schneller und effektiver.

Es lohnt sich

Dieses Grundvertrauen aufzubringen angesichts oft vieler negativer Erfahrungen,  ist es auch, was Subsidiarität so schwer macht. Sie erfordert anstelle von Kontrolle durch Zentralisation, Glaube an die Vernunft und den guten Willen der anderen Geistbegabten; den der Autoritäten in die Basis, und das Vertrauen der Basis in die Autoritäten. Und wie so oft, muss jeder selber mit dem Vertrauen anfangen und es nicht zuerst von den anderen einfordern. Nötig dazu aber ist, um wieder von der Trinität zu lernen, ein beständiger Dialog der Ebenen, damit man voneinander weiß. Gott ist Liebe, Kommunikation. Bei Gottes Kommunikation aber geht es nicht zuerst um Information (wie oft bei uns), worüber könnten sich allwissende Personen auch austauschen? Bei der Kommunikation Gottes geht es um den Ausdruck der Beziehung: Ich liebe Dich. Jesus ist oft nächtelang auf Bergen im Gebet (Lk 6,12). Das macht er nicht, weil er sich über jedes kleine Detail genauestens von Gott Instruktionen holen möchte, sondern einfach nur, weil er gern in der Liebe des Vaters ist, wie dieser in Seiner Liebe.

Im nächsten Artikel soll es darum gehen zu schauen, wie das praktisch aussehen kann. Wie kann Subsidiarität die vertrackte, angstbesessene Zentralisierungsschiene ablösen. Was will der Geist den Gemeinden heute sagen, damit sie vom Baum des Lebens geschenkt bekommen in immer vollerem Maße (Offb 2,7).

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