Verfasst von: adrian4xp | August 11, 2009

Feuer im Hohen Norden – NordcamP 2009

Was ich an der JCE ja seit Jahren sehr zu schätzen weiß, sind die großen Lager. Viele Jugendliche sind in einer größeren Gruppe Gleichaltriger eher mal bereit etwas Neues auszuprobieren. Heuer gab es leider kein gemeinsames Lager, das wussten die Kultusminister durch die Ferientermine schnöde zu vereiteln und sie werden es wohl auch fürder tun. So traf man sich denn zu vier kleineren Lagern. Ca 160 Leute versammelten sich am Wohldenberg/Holle bei Hildesheim (hier die offiziellen Photos) zum NordcamP 2009. Das ist ja für den gemeinen Bayern kurz vor der Nordseeküste, hoch im Norden, wo die eiskalten Stürme toben.

Das erste, was immer Freude macht, ist das Wiedersehen mit all den alten Streitern von diversen JUMPs – aber das Wort „JUMP“ durfte auf dem Lager nicht benutzt werden. Es war immer nur das Lager, dessen Namen nicht genannt werden durfte oder das gemeinsame Nord-Süd-Lager. Zuwiderhandlungen wurden mit einer Gummibärchenstrafe nicht unter einer Tüte oder ähnliches geahndet. Wie immer gab es eine Aufteilung in Männlein, Weiblein und in die Altersgruppen. Das Basisseminar nannte sich “Groovyseminar” und hatte als Jinggle einen Teil des altbekannten Songs von Simon und Garfunkel (ach waren das noch Zeiten, damals als wir jung waren). Das Folgeseminar für die Nord-Süd-Camp-Erfahrenen fand im “funkhouse” statt.

Ich nahm, wenn ich nicht gerade mit dem Beichtsakrament oder einem Seelsorgegespräch beschäftigt war beim “Groovyseminar” teil. Da ich in den ersten drei Tagen der einzige Priester war, bekam ich also nicht so wahnsinnig viel davon mit, da jetzt die Mitarbeiter die Zeit nutzten und zu den Beichtgesprächen kamen. Mit Lehren, Zeugnissen und Lobpreis gewürzt, wurde während der Seminare eine rationale Basis gelegt für das, was die Jugendlichen bald darauf tun und oft auch erfahren konnten. Mir wird es auch nie fad bei solch einer Gelegenheit, die Wahrheit erneut zu hören, es ist wie bei einer guten Oper Inhalt und Form bilden immer neue Aspekte aus, die durch die Erfahrung und das Können der Vortragenden jeweils neu gebrochen werden wie in einem Prisma. Vieles von den Lehren kannten die Teilnehmer ja sicher schon. Einige hatten schon an Wochenenden teilgenommen etc, aber einmal zusammenhängend vom Vater und seiner Liebe zu uns, von Jesus zu hören, der Erlösung etc, war sicher für die meisten neu. Was sich dabei immer stärker herausstellt, dass die Lehre über den Vater an Bedeutung gewinnt. Viele haben mittlerweile ein – sagen wir mal – angespanntes Verhältnis zu dieser Rolle. Ob sie nur eine große Sehnsucht danach hatten, weil sie keinen mehr real kennen gelernt hatten, oder ein gebrochenes oder zumindest ambivalentes, das alles prägt natürlich auch das Reden vom Vater.

Begleitet wurde das Lager von zwei Gebetsgruppen. Die eine begann mit der Eucharistischen Anbetung quasi mit dem Programmbeginn am Morgen und endete mit Ende des Programms. Hierher konnten sich vor allem die praktischen Mitarbeiter immer mal wieder zurückziehen, wenn sie wieder bei Gott auftanken wollten. Die zweite Gruppe war das Fürbittteam, das sich in einem separaten Raum traf, um für konkrete Anliegen zu beten. Bei den beiden Aufbautagen war natürlich das Gebet um gutes Wetter wichtig, denn es goss in kürzeren Intervallen wie aus Eimern. Als die Teilnehmer kamen, war das Wetter bis zur Abreise optimal. Das war auch ein Zeichen dafür, wie der Herr gedachte sehr viele Fürbitten für die innere Großwetterlage zu erhören.

Der geistliche Prozess verlief relativ steil. Das kann man jetzt einschätzen wie man will. Für die, die sich gleich darauf einlassen können, bedeutet es natürlich, sie bekommen gleich von Beginn an die volle Ladung und können lange davon zehren. Aber es gab auch eine Gruppe von vier Mädels, denen das zu steil war und die abreisten. Genauer gesagt war es ein Mädel und die anderen drei schlossen sich der Steilheitseinschätzung ihrer Freundin an. Dabei hatten sie bisher noch gar nicht so viel Krasses erlebt. Es war nur der normale Lobpreis mit den erhobenen Händen. Ich glaube wir hatten noch nicht einmal ausführlicher in Sprachen gebetet. An dieser Stelle noch ein großes Lob an die Band. Sie hat sich für das Camp spontan gebildet. Ihr habt uns gut in den Lobpreis begleitet.

Die Leitung war in diesem Camp eine extrem schönes Zeichen von Einheit. Man dachte, die kennen sich schon ewig. Dabei hatten sie sich erst kennen lernen müssen. Vom Fünferteam waren zwei evangelisch, drei katholisch; zwei Männer drei Frauen. Hier erlebte ich eine Ökumene, die ich extrem schätze. Im Gegensatz zur sonstigen Mainstream-Ökumene des kleinsten gemeinsamen Nenners, darf hier jeder seine Spiritualität ganz mitbringen. Es wird aber auch keiner gezwungen irgendwo mitzumachen. Es sind die erläuterten Angebote, die das Ganze für mich so reich machen. Dabei zeigte sich auch, das die Brüche bei bestimmten Traditionen nicht so sehr zwischen evangelisch und katholisch liefen, sondern vor allem zwischen verschiedenen katholischen Traditionen. Aber solange sich alles im weiten Rahmen der Lehre abspielt, gibt es da auch keine Probleme. Über alles kann man ja in einer einander wertschätzenden Atmosphäre reden. Interessant war in diesem Zusammenhang auch das Seminarhopping, eine Seminareinheit, wo ca 10 Leute jeweils 15 Minuten Zeit hatten eine biblische Person vorzustellen und ihre Bedeutung für heute. (Die Langform meines Kurzimpulses zu Nehemia kann man hier unter Ressourcen nachlesen.)

Ein Highlight war sicher auch die Messe, die Weihbischof Hans-Georg Koitz von Hildesheim mit uns am Fest des heiligen Ignatius von Loyola gefeiert hat. Es drückte auch die Wertschätzung aus, die die Kirche unserer Jugendarbeit entgegenbringt. Das ist vor allem wichtig, weil wir immer wieder auch aus den eigenen Reihen als religiöse Spinner abgetan werden, die Emotionalität und Glauben verwechseln würden. Nun – es gibt viele, die urteilen, unbeleckt von jeglicher Erfahrung. Aber genau dagegen sind diese Zeichen des Amtes so wertvoll.

Was lief sonst noch? Nun, ich wette, hätte diesen Bericht ein Jugendlicher geschrieben, wäre dort mehr Raum gewesen auch für das Freizeitprogramm. Hier war ich Gott sei Dank vor allem während der Wasserschlacht verhindert – das muss ich nicht mehr haben. Dankbar möchte ich hier auch die große Schar von erwachsenen Mitarbeitern erwähnen, die in aller Hingabe den Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf allen Ebenen unter die Arme greifen und einfach gern bereit sind zu dienen.

Es gäbe noch vieles zu berichten von Erfahrungen, Geisterfüllungen, dem “heiligen Lachen” und so weiter. Ich will es mir an dieser Stelle verkneifen, da es bei allem ja nicht so sehr um die Phänomene geht, sondern darum, dass Glaube, Hoffnung und Liebe zunehmen. Und das ist sicher geschehen. Ich freue mich schon auf das nächste Lager dieser Art, Ende August in Schladming (Steyermark), wo ich leider nicht mehr bis zum Schluss dabei sein kann.

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